Wir über uns

Wie alles begann – ein Rückblick von Stefan Leichtweiß

 

Ihren Anfang nahm die Geschichte der Juremer Kerweborsch bei der Eröffnung der Straßenkerb 1991. Damals standen einige Kameraden der Feuerwehr zusammen und fanden, dass Jugenheim mehr verdient, hat als „nur“ eine Straßenkerb. Richtige Kerweborsche sollten wieder her. Ein Wort gab das Andere und so hieß es schnell: „Ja, wenn Du mitmachst, mach´ ich auch mit!“. Über die Kerwetage reiften die Gedanken und setzten sich in den Köpfen fest.

Am 20. September 1991 war das erste Treffen bei Michael Heß im Partykeller. Dabei waren Gunnar Hill, Manfred Mohr, Ulrich Fromm, Oliver Callies, Joachim Skierlo, Jürgen Bernges, Michael Heß und Stefan Leichtweiß. Ihre Bereitschaft zur Teilnahme hatten bekundet Kai Wagner und Thomas Hill, die aber an diesem Abend verhindert waren. Die Gründung der Juremer Kerweborsch stand außer Frage und so wurde schon an diesem Abend ein Kerweprogramm erarbeitet, das z. B. die Kerberöffnung am Freitagabend auf dem Kerweplatz vor der Bürgerhalle vorsah.

Die bestehende Straßenkerb am Samstag, den Frühschoppen bei der Feuerwehr und den musikalischen Abend am Sonntag im Gasthaus „Rebstock“ wollten wir beibehalten und durch ein Rahmenprogramm bereichern. Ich wurde einstimmig zum Kerwevadder gewählt. Auf einen Glöckner konnten wir uns allerdings noch nicht festlegen, ebenso gab es den Kerwewatz in unseren Überlegungen zu dieser Zeit noch nicht.

Oliver Callies wurde dann von uns beauftragt dem bestehenden Kerwegremium der Vereine von unserer Existenz zu berichten und unsere Ideen zur Kerb vorzutragen. Die Aufnahme war verhalten positiv, denn natürlich waren sie skeptisch, dass die Aktion „Kerweborsch“ in Jugenheim von langer Dauer sein würde. Doch die bei uns beteiligten Personen waren allesamt gestandene Männer und größtenteils im Ortsgeschehen keine Unbekannten, so dass sich die Vereinsvertreter auf unsere Vorschläge zumindest teilweise einließen und versprachen, uns zu unterstützen. Das war schon mal was und wir wollten es natürlich allen zeigen.

Also frisch ans Werk und auf zur 1. ordentlichen Kerweborschsitzung am 25. Oktober im Gasthaus „Rebstock“. Thomas Hill wurde an diesem Abend zum Glöckner ernannt und folgende Männer ließen sich als aktive Juremer Kerweborsch registrieren: Gunnar Hill, Oliver Callies, Joachim Skierlo, Ulrich Fromm, Jürgen Bernges, Kai Wagner, Michael Heß, Thomas Hill und Stefan Leichtweiß. Als Mitgliedsbeitrag legten wir 10,- DM pro Monat fest und unsere Uniform sollte ein weißes Hemd, blaue Hose, Kreissägehütchen und eine rot-weiße Schärpe sein. Wir wollten alles sehr ordentlich und edel haben und waren bereit dafür auch etwas mehr Geld hinzulegen. Diesen Prinzipien sind die Juremer Kerweborsch bis heute treu geblieben. Im Laufe des Abends wurde sehr viel gelacht, gesungen und die Fantasie galoppiert ein ums andere Mal ziemlich voraus. Der damalige Wirt, August Seggl, fand unsere Idee klasse, wollte uns nach Kräften unterstützen und gab uns in seiner Gaststätte eine Heimat. Bis heute ist der „Rebstock“ das Stammlokal der Juremer Kerweborsch und Austragungsort legendärer Kerweveranstaltungen im überdachten Hof. Im Laufe der ersten Monate des Jahres 1992 traten Matthias Müller, Roland Emmerich und Robert Oray den Aktiven bei und können sich somit auch zu Recht zu den Gründungsmitgliedern zählen.

Bald darauf traten wir mit einer gewagten Aktion an die Öffentlichkeit als wir die Plakate des Gewerbevereins mit dem Motto: „Die Nacht … “ in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit unserem Aufkleber „… un ganz Jurem lacht“ verschönerten. Der Gewerbeverein hat uns das aber nicht übel genommen, sondern unterstützt uns seither durch eifrige Teilnahme an unseren Veranstaltungen, kämpferische Einlagen oder finanzielle Hilfen.

Die Kerwebuttons wurden geboren, Liedgut herausgesucht und ein Kerweliederbuch erstellt. Grillnachmittage, zündende Ideen und immer alle 4 Wochen Kerweborschsitzungen bis tief in die Nacht ließen unsere Gemeinschaft fest zusammen wachsen. Kurz vor unserer ersten Kerb 1992 trat noch Thomas Stöhr ein und so waren wir 14 tatkräftige und stimmgewaltige, trinkfeste und beim Essen unerschrockene, Juremer Kerweborsch.

Unserer ersten Kerb fieberten wir mit großer Aufregung entgegen und umso größer war dann die Freude als wir am Mittwoch gegen Abend mit dem frisch gefällten Kerwebaum durch den Ort fuhren und von allen Passanten freudig begrüßt wurden. Der Kerwebaum lag schwer bewacht von meinem Schäferhund Alf bei mir im Hof, als wir am Freitagabend mit dem Kerwemarsch in den „Rebstock“ einzogen. Bei meinem ersten Bieranstich zitterten die Hände ganz ordentlich, doch ich meisterte die Sache gut und als ich nach dem ersten Schluck auf die lautstarke Frage „Wem is die Kerb?“ ein hundertfaches „Unser!“ zurück geschmettert bekam, wusste ich, dass das Eis gebrochen und der „Rebstock“ und Jugenheim fest in unserer Hand waren. Der Abend verging mit Musik, Tanz und Gewinnspielen wie im Fluge, doch es hieß für uns noch einen klaren Kopf für das Baumstellen am Samstag zu bewahren, was den meisten ganz gut gelang.

Der Samstagmorgen brachte einen kräftigen und langanhaltenden Regenguss, der zwar die Aufbauarbeiten behinderte, doch glücklicherweise bis zur Mittagszeit auch wieder vorbei war.

Eine halbe Stunde bevor sich der kleine Tross aus Spielmannzug und Kerwebaum von meinem Hof aus in Bewegung setzen sollte, erreichte mich die Hiobsbotschaft von Franz-Josef Schäfer, dass der Gabelstapler für das Kerwepodest kaputt sei. In voller Kerwevadder-Montur fuhr ich zur Firma Fries und konnte glücklicherweise Heinrich Fries im ölverschmierten Kombi mit seinem alten Gabelstapler zur Rettung bewegen. Das war ein gutes Zeichen, denn zur Aufstellung des fast 18 Meter langen Kerwebaums benötigten wir später keine 10 Minuten. Das Publikum war begeistert und so hatten Glöckner Thomas Hill und ich es mit lauter aufmerksamen und heiter gestimmten Zuhörern bei der ersten Kerweredd zu tun. Thomas unterstützte mich lautstark und sorgte dafür, dass ich auch das Trinken zwischen den Versen nicht vergaß. Im Laufe des Nachmittags und Abends traten die Juremer Kerweborsch immer wieder geschlossen auf der Bühne und an den Stände der Vereine auf und sorgten für die nötige Kerwestimmung.

Der Kerwesonntag stand wie immer im Zeichen des Frühschoppens bei der Feuerwehr und auch hier waren wir nicht zu übersehen oder gar zu überhören. Bei Kaiserwetter marschierten wir in den Feuerwehrhof und lieferten mit lustigen Einlagen dem Publikum zahlreiche Gelegenheit für ausgiebige Lacher.

Abends war wieder Musik und Remmi-Demmi im „Rebstock“. Wir waren zwar angeschlagen ob der bisherigen Strapazen, doch die vorbereiteten Spiele und vor allem Glöckner Thomas Hill als kauziger Ruhrpottler Werner Schibulski ließen die Festbesucher davon nichts merken.

Unsere Auftritte hatten sich im Ort herum gesprochen und so war am Montagabend der Hof des „Rebstock“ brechend voll als wir zum Steinlupfen oder Masskrugstemmen die örtlichen Handwerker und Gewerbetreibenden auf die Bühne riefen. Das Publikum feuerte die Teilnehmer frenetisch an und kämpften bis zur letzten Muskelfaser. Hans Breuer und sein unvergessenes „La Paloma“ zum Glanz der Wunderkerzen trugen genauso zum Gelingen des Abends bei wie das „gebremste“ Glücksrad oder das Schätzen des Gesamtgewichts der Juremer Kerweborsch. Als die Gäste weit nach Mitternacht den Heimweg antraten, waren sich alle einig, dass Jugenheim schon lange nicht mehr so eine gelungene Kerb gesehen hatte. Der legendäre Nymbus Juremer Kerweborsch war geboren und hatte seine Feuertaufe mit Bravour bestanden.

(Gruppenfoto 2018 – Schloss Heiligenberg / Klosterruine)